VEM-Freiwillige   2017/2018   2016   2015   2014   2013   2012   2011   2010   2009 

Ann-Christin | Annika | Benjamin | Carina | Charlotte | Christine | Ilva | Jan | Jonas M | Jonas P | Lina | Moritz | Nadine | Robert | Svenja | Till | Vincent

Menu:

Archiv

Blog durchsuchen:

NACHTRAG

Autor: Robert | Datum: 12 Oktober 2011, 08:30 | Kommentare deaktiviert

Normal 0 21 false false false DE X-NONE X-NONE

Ich überrasche mich selbst… Aber diese Erlebnisse müssen mal ganz schnell auf digitales Papier gebracht werden.

Nachdem Till am Montag nach Lucena gefahren ist, habe ich 2 Tage lang eigentlich nichts gemacht außer eine Katastrophenmeldung zu übersetzen und den (langen) Blogeintrag zu schreiben.

Am Mittwoch ging es dann damit los die Hilfspakete für die Hilfsaktionen vorzubereiten, weil dann erst da Geld von den Partnern eingetroffen war.

Mein Tag bestand aus folgenden „Aktionen“:

·        50kg Reissäcke rumschleppen

·        Reis wiegen (5Kg) und dann in neue Säcke packen

·        Dann den Reis und die weiteren Lebensmittel (Sardinen, Nudeln, Salz, Kaffee, Zucker usw.) in eine Tüte packen und zuschnüren.

Es war zwar sehr stupide und wenig abwechslungsreiche Arbeit, aber es war gut sich mal total auszupowern und zufrieden ins Bett zu fallen.

Am nächsten Tag dann um 5 Uhr aufstehen und um 6 dann das Sammeltaxi zum Büro nehmen, wo dann 277 Säcke in 2 Jeepney gepackt wurden.

Eine 7 Stunden lange Fahrt stand nun an um in die Provinz (Pangasinan) zu gelangen, wo die Lebensmittel verteilt werden sollten. Das eigentliche Verteilen war dann eher ein reines „Sachen-ablegen“ in der lokalen Kirche, die dann die weitere Verteilung übernahm.

Das war zwar nicht ganz wie ich es mir vorgestellt hatte, aber trotzdem war es einfach ein gutes Gefühl ein klein bisschen für die Flutopfer getan zu haben…

Da ich Interesse angemeldet hatte an weiteren Aktionen bot sich mir direkt am nächsten Tag an an einer weiteren Aktion im nördlichsten Part der Philippinen (Aurora) teilzunehmen… Um 3 Uhr morgens sollte es losgehen. Da war es natürlich nicht hilfreich erst um Mitternacht von der anderen Aktion wiederzukommen. Nun gut mit 2 Stunden Schlaf ging es dann auf den 13 stündigen Trip, zumindest sollte er so lang sein…

Insgesamt waren wir 14 (es war eine ökumenische Aktion) und ich war zusammen mit 5 Jugendlichen in einem kleinen Truck gefüllt mit den Hilfsgütern eingequetscht…

Der Weg war sehr uneben und deswegen war es die schlimmste Fahrt der Welt, weil ich halt gar nicht schlafen konnte und meine Kollegen ganz nett waren, aber mehr auch nicht.

Das schönste kommt aber noch… Wir sind ca. 4 mal in „kleinen“ Flüssen steckengeblieben, die wegen des Taifunes über die „Straße“ gelaufen sind und so hat die Fahrt 20 Stunden gedauert. Wir mussten so des Öfteren bei Regen im kniehohen Wasser stehen und Autos anschieben bzw. auf den Traktor warten, der uns rauszog.

Um Mitternacht bin ich dann erschöpft ins Bett gefallen und um 7 Uhr ist es dann auch wieder losgegangen um die Lebensmittel zu verteilen.

Die ganze Aktion hatte allerdings nicht nur den Sinn den Flutopfern zu helfen, sondern sollte auch die Indigenen im Protest gegen den neuen Flughafen und Hafen stärken, deren Erbauung die Leute, gegen eine geringe Bezahlung, zwingen würde umzusiedeln.

Die Landebahn ist schon fast fertig und es war unglaublich diese lange Betonstraße mitten in der Natur zu sehen. Hart war es auch mit anzusehen, wie krass sich die Leute um die Pakete gerissen habe bzw. die Familie auch ihre Kinder anstanden ließen oder soll ich lieber „kleine Erwachsene“ sagen?!

Auf Grund des Regens mussten wir unsere Abreise um einen Tag verschieben, aber auch weil der Priester zusammen mit den Indigenen am Tag danach zu einer Gerichtsverhandlung eben wegen jenes Flughafens musste und wir sie so ein Stück mitnehmen konnte.

Die Tage waren eigentlich ganz gut, aber ich war halt sehr müde und irgendwie konnte ich nicht wirklich viel mit meiner „Begleitung anfangen“. Einerseits durch mein bescheidenes Tagalog andererseits hatte ich auch nicht das Gefühl, dass sie unbedingt viel mit mir zu haben wollte. Das hat dann zu einem kleinen Down geführt, weil ich so einfach stärker an die Leute denken musste, die ich vermisse…(Mir geht es wieder gut!!!).

 

Die Rückreise war zwar genauso krass wie die Hinfahrt (2 Mal im Fluss stecken geblieben), zumal es sehr eng war mit einem ganzen Dorf zusammen im Truck (bin dann in den Pick-Up transferiert, weil ich auch Bauchschmerzen hatte), aber auch weil es ein „Landslide“ (dt. Wort?, Steine und Sand auf der Fahrbahn) gab und wir damit beschäftigt waren bzw. einfach mal das ganze Dorf den Sand und das Gestein so zur Seite geräumt hat, dass wir passieren konnte. Sowieso war es einfach unglaublich wie uns auch bei den Flüssen die Leute aus dem naheliegenden Dorf geholfen haben bzw. helfen wollten.

Die Fahrt hat dann wieder 20 Stunden gedauert und so bin ich erst seit dem 11.10 bzw. seit heute wieder in Malate und in meinem Zimmer.

 

Die Erfahrung war zwar sehr Kräftezerrend und hart, aber gleichzeitig auch interessant und schön (lange Strecken an der Pazifikküste, wunderbarer Ausblick).

Das nächste Mal überlege ich mir jedoch nochmal gründlich ob ich an einer solchen Aktion teilnehmen werde bzw. werde ich genauere Details vorweg abklären d.h. vor allem MIT WEM. Die Rückfahrt war zwar ganz lustig, aber mit anderen Leuten hätte es einfach mehr Spaß gemacht.

 

So, das war es auch! Jetzt gönne ich mir mal eine Pause! Wer genaueres wissen will, kann die Kommentar-Funktion nutzen oder einfach ne Mail schreiben!

Grüße Jirka!

 

 

Einen Monat lang leben oder man einfach nur da sein…

Autor: Robert | Datum: 11 Oktober 2011, 09:56 | Kommentare deaktiviert

Normal 0 21 false false false DE X-NONE X-NONE

So, weil ich gerade wirklich nichts Besseres  tun habe kann man ja auch mal einen Blogeintrag schreiben ;). Da ich jetzt die große Kunst des „Vor-sich-herschieben“ perfekt beherrsche, habe ich beschlossen euch „nur“ monatlich mit Einträgen zu füttern, weil ich mich dann nur einmal motivieren muss…

Nun:  wenigstens bin ich ehrlich :), womit ich dann auch perfekt die Überleitung zum Wesentlichen/Wichtigen gesponnen habe…

D.h. unter anderem:

1.    Robert könnte manchmal auch einfach ruhig sein.

2.    Robert  hatte bis jetzt eine super Zeit!

3.    Robert wird höchstwahrscheinlich, vielleicht, auf jeden Fall und ziemlich sicher weiterhin eine super Zeit haben.

4.    Robert mag Menschen, aber irgendwie doch nicht.

5.    Menschen mögen Robert, aber irgendwie doch nicht.

6.    Man darf gespannt sein!

Sollten diese 6 Punkte zu ein klein wenig „Unverständnis“ führen, hoffe ich stark, dass das Lesen dieses Eintrages jenes beseitigt, bzw. aufkommende Fragen beantwortet.

Stand der Dinge war: wir (Till, mein Mitfreiwilliger und Ich) sind gut in Manila angekommen und bevor wir dann richtig in unserem Projekt anfangen sollte mit der Arbeit stand zunächst eine ca. 5wöchige Orientierungsphase an.

Alles in allem kann man sagen, dass diese Phase zum größten Teil echt interessant war und gleichzeitig sehr entspannt, allerdings auch manchmal etwas langweilig…

 

Eine Zusammenfassung unserer Aktivitäten:

Am Tag nach dem letzten Blogeintrag (30.08), sollte uns die philippinische Geschichte näher gebracht werden. Wir wussten zwar schon einiges, aber durch eine „nette“ PowerPoint-Präsentation erfuhren wir dann noch so einiges (das könnt ihr dann über Wikipedia machen).

Danach ging es dann auch sofort auf die Straße und mit dem Taxi in die Altstadt, Intramuros. Ein wirklich kleiner Bezirk im Vergleich zu anderen, der halt, wie der Name schon sagt, von einer alten Stadtmauer umgeben ist (Spanisch lässt grüßen und hilft unheimlich!!!). Ich würde den Stadtteil sogar als schönsten Manilas bezeichnen, auch wenn das nicht wirklich schwierig ist, denn die Stadt ist halt einfach hässlich: ein Moloch.

Aber hey, langsam beginnt sich ein roter Faden durch meine Wohnlage zu ziehen: ich wohne halt immer in den hässlichsten Städten

(Wuppertal->Manila, mal sehen was folgt).

In diesem Stadtteil haben wir dann das „Fort Santiago“ besucht, das Gefängnis in dem der Revoluzzer (sorry)  und Nationalheld Jose Rizal gefangen gehalten wurde und von dem er dann seinen Weg zur Hinrichtung antreten musste (Wikipedia die 2.). Es war super nett anzusehen und auch interessant, weil man durch die Präsentation schon einiges mit dem kleinen Mann (1,60 groß) verbinden konnte, aber ich glaube ich glaube ich werde lieber mit einer Führung nochmal durchgehen, weil nur gucken mir dann doch nicht reicht.

 

Danach waren wir noch in der Kathedrale von Manila, wo wir dann auch zum ersten Mal zu Geseicht bekamen, dass die Kirche hier sich mehr in Politik einmischt bzw. sich aktiv am Geschehen beteiligt: Es hing an dieser (natürlich katholischen) Kirche ein Plakat, dass sich gegen das neue Abtreibungsgesetz „ausspricht“.

Kein Kommentar! Nur Gut, dass die UCCP zum Gesetz neutral steht und mir, zu mindeste in dieser Hinsicht, einige „Debatten“ erspart bleiben.

 

Die Tour ging dann noch weiter zum Rizal Park (zu Ehren eben jenes Nationalhelden s.o.), zu vielen weiteren katholischen Kirchen, in den China Town und in den Stadtteil, wo vor allem Moslems leben.

Es war alles gut mal gesehen zu haben und einen Eindruck zu gewinnen, aber wirklich dorthin zurück muss ich nicht mehr. Man merkt halt schnell, dass man in einer Stadt wohnt mir mehr als 13 Millionen Einwohnern und diese alle auf engstem Raum zusammenleben. Das hat man vor allem in diesen Bereichen gespürt und es ist dann halt schon stressig, wie als ob man sich bei einem gut besuchten Konzert nach vorne durchboxt. Aber gut, der Stadtteil (Malate) in dem wir uns aufhielten bzw. in dem ich mich noch aufhalte ist da wesentlich entspannter.

Am Abend waren wir dann noch in einem Restaurant, wo traditionelle Tänze vorgeführt und auch gerne mal Gäste auf die Bühne geholt werden um mitzutanzen. Till musste gleich 2 Mal ran, beim zweiten Mal sogar im hawaiianischen Kostüm. Ich hab mich beim ersten Mal elegant aus der Affäre ziehen können, durch das Vortäuschen eines Toilettenbesuches, aber beim 2. Mal hat es mich dann auch getroffen und durch meine „Pseudolatinogene“ ging das dann ganz gut und es war lustig, vor allem unsere Begleitung (die 2 Betreuerinnen Ate Amy und Ate Inie) haben sich köstlich amüsiert.

 

Der 2te Tag begann mit einer kleinen Infoveranstaltung zur „Rural Exposure“ (1 Woche auf dem Land leben), die Ende September stattfand (später mehr dazu).

Danach ging es dann ins das Büro der „vereinten Kirchen“ (NCCP, National Council of Churches in the Philippines) , zu denen auch die UCCP gehört und wir konnten uns einen Vortrag zur Jugendarbeit (mit politischem Schwerpunkt) anhören. Sehr nett. Vorträge dieser Art waren Gang und Gebe in der Orientierungsphase, leider nicht immer so informativ oder gut vorbereitet.

Am Nachmittag waren wir dann noch in Makati, wo die Finanzbauten sind und die Reichen und „Schönen“ wohnen. Dort besuchten wir das Ayala Museum: Geschichte der Landes (Ureinwohner – heute), Geschichte des Goldes und eine Manga-Ausstellung (japanische Comics). Man sieht, da gibt es halt echte Verbindungen zwischen, aber es war nett. Dumm war wieder nur, dass der geschichtliche Part (der interessanteste) nur aus Schaufenster mit kleinen Püppchen bestand. Darüber dann der Titel des Ereignisses, aber sonst nichts. Man hätte halt einfach den Audioguide ausleihen müssen, aber dann wäre man halt nicht schnell genug durch gewesen. Das Motto der Filipinos, wie auch im Fort Santiago: Hauptsache man war mal dort!

 

Am nächsten Tag sind wir nach ein paar Stunden rumgammeln im Büro dann zu Ate Etna gefahren. Sie arbeitet für die UCCP, ist eine unglaublich herzliche Person und lädt gerne Leute zu sich ein. Bei ihr konnten wir dann schön entspannen, skypen und Till hat dann gleich auch mal Balut (fast ausgebrütetes Hühnerei oder auch gerne die „einzig-erlaubte -Abtreibung“ genannt) gegessen.

Bei ein paar Bier haben wir uns dann noch den ganzen Abend mit Ate Etnas Bruder, Dave, über Filme unterhalten: Super Sache!

Am nächsten Morgen ging es dann zurück nach Manila und wir hatten unsere ersten Stunden Sprachunterricht mit Darling (ich kenne ihren richtigen Namen nicht (bzw. habe ich den vergessen), aber sie nennt sich halt so). Die Sprachkurstage (insgesamt 7) waren einerseits total entspannt, weil wir halt nur 3 Stunden Sprachkurs hatten und den Rest relaxt haben, andererseits waren die 3 Stunden dann halt auch immer wie 6. Sie ist leider nicht die beste Lehrerin und so schalte ich dann mal gerne nach 1ner Stunde ab und lerne eher passiv. Trotzdem hatten Till und ich viel zu lachen, da wir zum Teil einfach die dümmsten Sachen auf Deutsch rausgehauen haben (das wird nicht näher erläutert) und wir bzw. ICH unangenehmerweise meistens nicht aufhören konnte zu lachen…

 

Am. 03. September war ein reiner Erholungstag, auch schön! Wir haben dann halt gekocht (insgesamt ganze 4Mal). Hier die Köstlichkeiten: 1. Pfannkuchen. 2. Pilzpfanne 3.  Chili Con Carne 4. Zuchinipuffer. Fazit: es war das leckerste was ich in den 5 Wochen gegessen habe. Das philippinische Essen ist zum Teil lecker, aber nicht das leckerste. Trotzdem passt schon!

 

Der erste Gottesdienst in der nahegelegenen Kirche war recht entspannt.

Wir wurden vorgestellt, wie bei jedem weiteren Gottesdienst der auf diesen folgte und mussten fleißig Hände schütteln.

Den restlichen Sonntag wurde dann den wichtigen Dingen wie Freunden (Skype etc.) und Musik gewidmet. Habe eine echt gute Gitarre für wenig Geld erstanden und aufnehmen funktioniert bestens mit dem Laptop!!!

 

Die nächste Woche begann mit einer schönen Begrüßung im National Büro, wo wir mal alle kennenlernen konnten und eine kleine „Begrüßungszeremonie“ abgehalten wurde. Wir bekamen einen Malong geschenkt als Zeichen zur „Identifizierung mit dem philippinischen Volk“… Als Amy uns darauf erklärte, dass es 100 Möglichkeiten gäbe diesen zu nutzen/tragen, war Till und mir klar, dass diese auch alle auszuprobieren mit die größte Herausforderung in dem Jahr sein wird. Diese absolut unlustigen Aktionen (wir haben ca. 30 getestet) genießen unsere Betreuerinnen jedoch sehr, sie lachen sich kaputt wenn wir z.B. den Fußballmalong o.ä. vorstellen. Ihr seht: man ist voll integriert.

 

Die Woche waren wir unter anderem auch auf dem Müllberg, Smokey Mountain, meiner zukünftigen „Einsatzstelle“. Es war ganz kurz recht bedrückend, aber irgendwie habe ich es sehr schnell ohne viel schlucken zu müssen hingenommen. Warum es so war ist mir noch nicht ganz so klar: Ich wurde und werde zu Zeit ja schon wieder permanent mit Armut konfrontiert, ob das einen abhärtet, gefühlsloser macht?!?!

Super nett waren auf jeden Fall die Kinder in der „Schule“ auf dem Müllberg. Sie wirken eher lebensfroh als –müde und hatten viel Spaß am Unterricht.

Ich bin auf jeden Fall gespannt was noch so anstehen wird in dem Projekt und was es genau zu tun gibt.

Den darauffolgenden Sonntag waren wir dann auch in der Kirche zu Besuch, die das Projekt ins Leben gerufen hat. Sehr nette Menschen und der „Bereich“, wo ich wohnen werde ist halt ein wie ein winziges Dorf innerhalb der Stadt, sodass es dann auch etwas entspannter ist als im urbanen Dschungel.

 

Die nächsten Tage waren geprägt von Besuchen in verschiedenen Organisationen und Projekten. Zuerst waren wir bei Karapatan,  die uns über die Menschenrechtslage auf den Philippinen aufgeklärt hat. Ein sehr interessantes Gespräch über Korruption, politische Morde, das gefährliche Leben für Menschenrechtler und auch das Vertrauen in die Politik bzw. die Politiker/Präsidenten. Viel Bekanntes, aber auch neues.

Ein weiteres Projekt war Sinag, dass Straßenprostituierten hilft in dem es ihnen die Möglichkeit bietet beispielsweise Nähen zu lernen um dann eine neue Einnahmequelle zu erhalten und der Prostitution zu entfliehen. Wir hatten wieder sehr interessante Gespräche unter anderem mit 2 Prostituierten, die uns von ihrer Lebenssituation und ihren Beweggründen berichtet haben. Wir waren uns zwar am Anfang unsicher, ob manche Fragen vielleicht verletzend wirken könnten, aber zum Glück war alles gut und doch recht ruhig, trotz der Umgebung: Die Polizei kam einmal (Prostitution ist „verboten“ auf den Philippinen) und auch sonst war es hart zu sehen, wie viele Frauen es doch sind und wie sie leben müssen: auf einer Matratze am Straßenrand o.ä.

Ernüchternd war jedoch leider der Fakt, dass es dem Projekt (außer einer Ausnahme, die auch es auch nur dadurch geschafft hat, dass sie einen Job im Projekt als „Vermittlerin“ zwischen Prostituierten und Projekt) trotz jahrelanger Arbeit nicht gelingt, die Prostituierten wirklich aus ihrer Situation „zu befreien“. Zwar ist das Hauptziel des Projektes den Frauen eine Zufluchtsstätte zu bieten, aber auf Dauer ist

das ja immer nur temporäre Hilfe. Damit will ich die Idee und den guten Willen des Projektes nicht herunterreden (ich habe auch keine besseren Ideen), es ist aber leider  eins von vielen Beispielen, die mir zeigen wie schwierig es ist ein gesellschaftliches/politisches Problem an den Wurzeln „herrauszuziehen“…

 

Als nächstes stand ein Besuch bei der KMU an, der Arbeitergewerkschaft. Es war zwar interessant zu erfahren, wie aktiv und engagiert die Gewerkschaft ist (Demos etc.), aber der Mann der uns alles erklärte hatte einfach nicht das nötige Charisma um die Leidenschaft (die ich erwartet hatte) hinter der Sache rüberzubringen. Er wirkte eher wie ein Pseudokommunist, der dies alles nur macht, weil sonst alles schlecht ist.

Der letzte Besuch war dann in einer Uni. Der Leiter und Theologieprofessor sollte uns die „Theology Of Struggle“ (Theologie des Kampfes) näherbringen, die seiner Meinung aber gar nicht mehr existiere, weil Umweltschutz und Feminismus die „zentralen Themen“ der „neuen“ Theologie zurzeit wären. Er war etwas verbittert deswegen und glaubt nicht wirklich, dass sich diese (politische, kämpferische) Theologie (die zur Zeit des Diktators Markos ihre Ursprünge hat und somit auch mit zum Kampf gegen diese beitrug) wieder etablieren würde, vielmehr sehe er die Zukunft in der Vereinigung von Gruppen über ihre politischen Ziele und nicht über die Theologie.

Das Gespräch war das interessanteste von allen, weil man gemerkt hat, dass da lange Jahre Erfahrung vor einem sitzen und er einfach total engagiert war und deshalb weiß von was er redet.

 Wie ich zu sagen pflegen: Ein weiser Mann!

 

Am 18.09 (zwischenzeitlich war noch Sprachkurs und Schlafen angesagt) sind wir dann, wie bereits erwähnt, aufs Land gefahren. Sinn war, das „echte“ Farmerleben kennenzulernen, aber das was wir gemacht haben könnte man auch gut als Touriprogramm anbieten. Wasserbüffelreiten, Gemüse ernten, Schweine füttern und waschen, Reisfelder angucken, Angeln (mit Bambusrute und Haken aus einem Nagel), sich 100 mal mit irgendwelchen Mädchen fotografieren lassen und betonen „Ja, ich bin verheiratet“, Gitarre spielen mit der Band, Karaoke mit der Dorfjugend singen und dann am Abend ein schönes Feierabendbier.

Es super entspannend mal aus Manila rauszukommen und abschalten zu können. Die Menschen bei denen wir schlafen durften waren super nett und total herzlich, aber halt nicht wirklich „echte“ Farmer. Meine Gastfamilie bekam halt das Geld von der in Israel lebenden Mutter und Tills Gastfamilie hatte eine riesige Hühnerfarm. Richtig scheiß Bodenhaltung, danke liebe Eltern für die teuren Bio-eier!

Wie gesagt, die Familien hatten genug Geld und wir somit ein sehr komfortables „Farmerleben“.

 

Für das folgende Wochenende waren wir in Tills neues Zuhause, Lucena City, eingeladen. Dort war eine Konferenz der südlichen Gemeinden von Luzon. Nachdem wir dort auch erst mal vorgestellt wurden (kaum angekommen und direkt rauf auf die Bühne inkl. Kameras), konnten wir uns 6 Std. eine Rede auf Tagalog anhören, war super langweilig. Richtig gut war dann am nächsten Tag der Strandbesuch und zu sehen wo es für Till hingehen wird.

 

Zurück in Manila war dann am Montag Sprachkurs und dann am Dienstag war halt Wasser in unserer Wohnung und draußen hörte der Regen nicht auf, Taifun Nesat war in Manila angekommen. Wir, Sachen gepackt und ab ins Hotel für eine Nacht. Gut war nur, dass der Sprachkurs am Dienstag ausgefallen ist und wir eine entspannte Nacht im Hotel hatten. Am nächsten Tag konnten wir aber auch schon zurück ins Haus.

So .schnell die Flut gekommen war, so schnell ist sie dann auch wieder “gegangen“ und schnell vergisst man dann auch, dass evtl. andere gerade zu leiden haben, wenn man selbst nicht mehr richtig betroffen ist bzw. es nie war. Schließlich sind wir unglaublich gut aus der ganzen Sache rausgekommen.

Richtig nachgedacht habe ich dann erst, als wir die echten Konsequenzen sahen als wir auf dem Weg nach Nueva Ecija waren um eben die Auswirkungen des Taifunes in den ländlichen Regionen zu Gesicht zu bekommen:

·        Leute mit ihrem Hab und Gut am Straßenrand stehend

·        Kaputte Hütten, Bäume

·        Zerstörte Landschaft insbesondere Reisfelder

Das wir wieder bei Ate Etna geschlafen haben, war es wieder sehr entspannt und wir konnten wieder mit ihrem Bruder ein wenig Bier trinken inkl. Gitarre und unterhaltenden Anekdoten aus seiner Zeit bei der Army, unter anderem auf Mallorca.

 

Am letzten Wochenende gemeinsam mit Till in Manila, bekam ich dann erzählt, dass ich vorübergehend erst Mal nicht nach Tondo gehen werde, weil ich bei einer Hilfsaktion im Norden den Flutopfern beistehen soll.

Till ist jetzt seit dem 3.10 weg und ich warte darauf, dass das Geld für die Aktion überwiesen wird, damit es auch mal für mich losgeht. Etwas doof, aber gut. Habe gelernt zu warten und nun muss man schauen was noch so passiert.

 

Ich hoffe ihr habt jetzt einen kleinen Einblick in meine Leben hier bekommen.

Jetzt aber noch zu den am Anfang aufgelisteten Punkten, denn ich glaube so direkt wird sich das „Warum“ nicht ganz herauskristallisiert haben.

Punkt 1, ich merke manchmal, dass ich mich noch an die Zurückhaltung hier gewöhne und damit meine ich, dass man hier manche Sachen einfach nicht sagt, über manches keine Witze machen sollte und einfach nicht so emotional ist:

2 konkrete Beispiele:

·        Sprachunterricht: wir sollen auf Tagalog sagen wer wie viele Frauen hat und wie viele Autos usw. Der letzte im Bunde war Abdul. Er hatte als einziger mehrere Frauen und Kinder. Die spätere Frage der Lehrerin: „Welche Religion gehört Abdul wohl an?“, meine sehr flapsige Antwort: „Er ist ein Christ.“ Das Entsetzen stand ihr ins Gesicht geschrieben und ich musste schnell dafür sorgen, dass sie das auch wirklich als Witz verstand. Das Bild, das einige Leute, die ich hier kennengelernt habe, von den Moslems haben ist nun mal meist „schlecht“ und beruht auf Klischees. Ob das wirklich so ist kann ja sein bzw. werden wir im Januar einen Austausch im Süden mit den Moslems dort haben und es sehen oder eben nicht, aber mein Versuch der Lehrerin zu zeigen, dass ein Abdul nicht unbedingt Moslem sein muss ist halt total in die Hose gegangen.

·        Spielen mit Inie: wir haben ein klassisches Spiel aus dem Süden der Philippinen gespielt. Ich kannte es mehr oder weniger mit anderen Regeln, aber habe dann trotzdem schnell gepeilt wie es geht. Da Inie aber immer angefangen hat und ich mir sicher war, dass jeder mit ein bisschen Logik so immer gewonnen hätte bin ich dann total in Fahrt gekommen, enthusiastisch geworden und meinte zu ihr laut lachend: „Wenn wir morgen nochmal spielen fange ich an und werde auf jeden Fall die ganze Zeit gewinnen!!“ (was ich auch getan habe). Ich dachte echt, dass das als Spaß zu verstehen ist, weil wirklich alle laut gelacht haben, als ich ihr energisch meine Taktik erklärt habe, Grund war aber, wie sie mir darauf erklärten: „Wenn du dich so in Tondo verhältst bringen sie dich um!“ Amy meinte danach einfach, dass man sich so einfach nicht verhalten sollte, weil es aggressiv wirkt. Das Lachen über einen möglichen Tod in Tondo ist auf jeden Fall bei Amy ganz normal. Sie hat auch darüber gelacht, dass ein Arzt nur 5 Impfen für 20 kranke Kinder hatte oder dass eben jener Arzt erschossen wurde, weil er sich für eine bessere Versorgung für Kranke einsetzte. Sie meint, Filipinos würden sehr oft über ihr eigenes Leid lachen. Ich kann „damit eigentlich“ gut damit umgehen, auch wenn ich mehr über das laute Lachen lachen muss, denn über den „Grund der Erheiterung“. Jedoch ist es meistes einfach nur suspekt bzw. will ich auch mit „meinem Leid“ so umgehen können

 

Zu Punkt zu 2 und 3 muss ich glaub ich weniger sagen, mir geht es gut und ich denke es warten noch viele tolle Erfahrungen auf mich.

 

Punkt 4 und 5. Die Menschen hier sind echt unglaublich nett und herzlich und ich schätze das total. Jedoch weiß man nie so wirklich, eben wegen jener „Höflichkeit“ (Missfallen wird (fast) nie geäußert) wann was echt ist. Auch bei den Leuten mit denen man „direkter/öfter zu tun hat, weiß ich oft nicht wirklich ob es echte Sympathie ist oder einfach nur „diese“ Höflichkeit.

So richtig konnte ich noch nicht hinter die Fassade gucken, trotzdem fühle ich mich wohl, hoffe aber gleichzeitig, dass ich irgendwann mir sicherer werde mit wem ich es zu tun habe und über was ich reden kann.

 

Richtig unangenehm, sind die Leute, die nur wegen des „Europäer-seins“ mit einem zu tun haben wollen. Die ganze Beachtung war am Anfang noch lustig, aber sie ist nochmal eine Stufe extremer als beispielsweise in Lateinamerika, wo einen auch alle gleich als „Anders“/“Besonders“ ansehen. Hier werden Fotos (mit/ohne zu fragen) gemacht und man wird zum Teil einfach nur angestarrt.

Nervig finde ich auch die Anrede „Sir“. Sobald man in eine Mall/Geschäft kommt, kommen Verkäufer laut „Sir“ schreiend auf einen zu um etwas zu verkaufen, ich gehe da lieber ganz schnell raus. Wie nett oder normal das „Sir“ auch gemeint ist, ich verbinde halt viel mehr das Militär mit dem Wort, nun gut.

Das Schlimmste ist zu sehen, wie viele alte weiße Typen mit einer ca. 30 Jahre jüngeren Frau durch Manila laufen und es gibt echt viele davon. Ich will echt nicht wissen, wie viel „Liebe“ da im Spiel ist. Mir wird immer schlecht, beim Anblick eines solchen Paares.

 

Genug geklagt: mir geht es echt gut und man darf gespannt sein (Punkt 6), was noch so alles passieren wird.

 

Beschte Grüße euer Robert

 

Gut angekommen!

Autor: Robert | Datum: 29 August 2011, 14:36 | Kommentare deaktiviert

Hallo Welt!

Ein erster kurzer Blogeintrag zur Lage des Robert Wunsch...

Also wir sind gestern um halb 5 super angekommen und sind direkt von Ate Amy (die Koordinatorin des FDs) ,Ate Iny und der ehemaligen Freiwilligen Miriam vom Flughafen abgeholt worden und nach kurzem Check-In im Shalom Centre sind wir dann zur Mall zum Mittagessen gegangen... Huhn/Reis/Nudeln. Danach war dann erstmal Ruhe angesagt, was auch ganz gut war. Um10 sind Till und ich dann pennen gegangen bzw. bei hellem Licht und mit Klamotten einfach eingeschlafen um 2 Std. spaeter aufzuwachen... Dachten dann erstmal, weil wir so fit waren, dass es schon der naechste Tag gewesen waere, aber gut... sind dann schnell wieder eingepennt und am naechsten Tag gabs dann Fruehstueck in der Kantine vom Hotel (Shalom Centre): tada... REIS!:D 

Heute wurde uns dann das (nette) Programm vorgestellt und wir waren dann abends noch Bowling spielen, nach 2 Stunden Programm muss ja auch mal Erholung drin sein:). Ihr seht: es ist recht entspannt.

Morgen steht dann ein Stadtspaziergang mit diversen Museen an und weiteree Teile des 4 woechigen Orientationprogramm ist dann noch der Sprachkurses und die Besichtigung einiger Einrichtungen von der Gemeinde...

 Das wars auch schon, aber bald kommt auf jeden Fall mehr!

 Beste Gruesse

 Mr. R